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Anerkennungen _

4 AWWA
14 Experimentelle Architektur in der Schule
20 Sonic Tower


 

20 SONIC TOWER, vertikales Konzertgebäude für moderne Musik

Kristina Schinegger, Wien

Musikstadt Wien
Moderne Musik hat in der “Musikstadt Wien” trotz aktiver Szene und grossem Publikum seit Schönbergs Zeiten keine gebaute Manifestation und keine adäquaten Räume.

Sonic Tower schliesst diese Lücke und holt die in den 30er Jahren vertriebene Musik zurück ins Zentrum von Wien, auf den Karlsplatz. Das vertikale Konzertgebäude ist ein städtebauliches Zeichen und schafft einen Ort der Synergie, des Experiments und des Eintauchens in das Neue.



© Kristina Schinegger, Wien



Neue Musik braucht neue Räume

Obwohl wir Klang von rundum hören, sind konventionelle Auditorien von der Zentralperspektive bestimmt. Positionen von Bühne und Publikum sind fixiert, der Zuhörer befindet sich in einer passiven Haltung.
Moderne Musik will nicht berieseln sondern “das Ohr aufwecken” (Luigi Nono).
Eine Rundum-Bühne wie bei Luigi Nonos “Prometeo” bringt den Zuhörer aus seiner distanzierten Position ins Zentrum der Klänge - das Konzerterlebnis entspricht der alltäglichen, unmittelbaren akustischen Wahrnehmung. Die szenische Aufführung ist nicht mehr zur Gänze visuell wahrnehmbar, das Hören tritt in den Vordergrund.
Die grosse Bandbreite von modernen Kompositionen verlangt nach flexiblen Auditorien, in denen Positionen nicht fixiert sind. Inszenierungen sollen nicht in den Rahmen eines Konzertsaales gepresst, sondern durch die Möglichkeiten des Raumes erweitert werden.

Instrument
Sonic Tower ist ein Instrument für unterschiedliche Aufführungen von szenischen Werken bis zu permanenten Klanginstallationen.
Auditorien verschiedener Grösse und Eigenschaften sind in einem kontinuierlichen vertikalen Körper übereinander angeordnet. Je nach Inszenierung können diese über je zwei luftdichte Klappen miteinander verbunden oder getrennt werden um so räumliche und akustische Eigenschaften zu verändern.

Positionen von Musikern und Zuschauern sind flexibel und können sich während der Vorstellungen durch das 100 Meter hohe Auditorium bewegen.
Der Raum ist kein Korsett für Kompositionen sondern ein Instrument zum Experimentieren.

Die Entwicklung einer neuen Typologie des Konzerthauses wurde von einem umfassenden Research in Kompositionstechniken, experimentellen Aufführungsformen und Akustik begleitet.
In Gesprächen mit MusikerInnen, KomponistInnen (wie Katharina Klement und Olga Neuwirt) und Akustikern wurden realistische Annahmen zu Benutzbarkeit und Akustik diskutiert und anschliessend in den Entwurf eingearbeitet.

Akustik

Um die Akustik von gewölbten Flächen kontrollieren zu können, werden folgende Strategien angewendet:
- Die Verformung des Auditoriumsköpers folgt akustischen Erfordernissen:
z.B. Zweiteilung und Verziehen der Form um horizontale Reflektionsflächen zu erzeugen, trichterförmige Ausbildung der Auditorien
- Oberflächen werden gefaltet um Streuung zu erreichen
- Absorbierende Körper verhindern Fokussierungen von Schallwellen

Aus dem Untergrund
Das Gebäude entwickelt sich aus dem unterirdischen Röhrensystem des Karlsplatzes zum vertikalen Gegenüber zur Karlskirche und der Secession. Über die U-Bahn-Passage ist es direkt mit der Staatsoper verbunden und schafft eine neue Achse zwischen Alt und Neu.
Oberirdisch teilt es den Karlsplatz in zwei definierte Bereiche - den eigentlichen Platz vor der Karlskirche und die Verlängerung der Wienzeile. Der Hinterbühnenturm bildet eine Kante zum Park, der dynamische Auditoriumskörper wendet sich Verkehrsfluss und Wienfluss zu. Während der harte Körper den Bezug zur umgebenden Bebauung herstellt, implantiert der weiche Körper das Neue. Zwischen den Körpern windet sich eine öffentliche Rampe von der aus nicht-zahlende Besucher durch Schlitze und Poren in Proben und Vorstellungen hineinhören (previews, prelistenings).

Text: Kristina Schinegger, Wien

 

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