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AWWA
14 Experimentelle Architektur
in der Schule
20 Sonic
Tower
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14 Experimentelle
Architektur in der Schule
Ambros Spiluttini, St. Johann/Pg. |
experimentelle tendenzen in der architektur
(-vermittlung) experimentelle architektur in
der schule
am Beispiel eines Workshops vom nov 2005 bis jan 2006 in
der
8rg Klasse des Gynasiums St. Johann im Pongau
1. "the
exquisite corpse will drink the young wine"
Unter den surrealistischen Techniken die versuchten das
"mystische im Zufall" zu erforschen, war eine
Art von kollektiver Collage aus Bildern oder Worten. Sie
wurde "exquisite corpse" genannt, nach dem ersten
Satz der auf diese Weise produziert worden sein soll. Basierend
auf einem alten Gesellschaftsspiel konnte jeder Teilnehmer
ein Wort oder eine Phrase auf einen Zettel schreiben, den
Zettel falten um Teile zu verdecken und an den nächsten
Mitspieler für seinen Beitrag weiterreichen. Diese
Technik wurde sowohl bei Worten als auch bei Zeichnungen
angewandt.
Quelle: „Dada & Surrealist art“ by William
S. Rubin up
2. Worum geht es
Das Austauschen von Ideen ohne Worte um gemeinsam im Team
ein Projekt zu bearbeiten und zu entwickeln. up
3. Das Prinzip,
eine Kurzfassung des Prozesses:
Eine Grundlage wird konzentriert bearbeitet. Nach einer
bestimmten Zeiteinheit wird diese Grundlage weitergereicht.
Eine andere Person bearbeitet nun diese Grundlage genauso
lange. Danach wird weitergereicht und für eine weitere
Zeiteinheit diese Grundlage von einer anderen Person bearbeitet.
Die Gesamtbearbeitungszeit richtet sich nach Größe
und Umfang der Grundlagen. Nach Fertigstellung wird das
Geleistete von den Teilnehmern präsentiert und gemeinsam
diskutiert. up
4. Was hat das mit
Architektur zu tun.
Es wird mit den Mitteln der Architektur gearbeitet, die
Medien sind Zeichnung Collage und Modellbau. Die Grundlagen
sind Grundrisse Schnitte und Modelle. 5.
Was passiert dabei.
Die Teilnehmer lernen sich in den Mitteln der Architektur
auszudrücken, Grundriss Schnitt und Modell sind die
Grundlagen. An die Teilnehmer werden jedoch keine die spezifischen
formalen oder künstlerischen Anforderungen gestellt.
Die einzige Bedingung ist, sich für eine vorgegebene
Zeiteinheit mit der zugeteilten Grundlage zu beschäftigen
und auf diese zu reagieren, wobei sowohl wegnehmen als auch
hinzufügen erlaubt ist. up
6.
Positive Nebeneffekte oder „Goodies“
- Shifting Media: Durch das oftmalige kontrollierte Austauschen
der Grundlagen wird der eigene Ausgangspunkt immer aufs
Neue überprüft. Ideen und Einfälle, die in
einem Medium verfolgenswert erscheinen können nach
dem Grundlagenwechsel sofort im anderen Medium überprüft
werden.
- Überarbeiten und überarbeitet werden: Durch
das Überarbeiten und Weiterreichen der Grundlagen entstehen
immer neue Ausgangspositionen. Die Reaktion darauf kann
sowohl Hinzufügen als auch Wegnehmen beinhalten. Spannung
entsteht dadurch, dass eigene Interventionen durch andere
Teilnehmer überarbeitet und neu interpretiert werden.
Oft entstehen dadurch neue und unerwartete Zusammenhänge
(Kreativität).
- Kopf gegen Bauch: Durch den Zeitdruck und oftmaligen Medienwechsel
verliert die Genauigkeit an Bedeutung und intuitive Vorgangsweisen
werden verstärkt.
- Keine Angst vorm weißen Blatt: der Zeitdruck erleichtert
schnelle Entscheidungen, das Kollektiv wirkt als Korrektiv.
- Zwischenpräsentationen und Endkritik: Durch laufendes
Präsentieren und Diskutieren der eigenen Arbeiten und
Befindlichkeiten vor und mit den anderen Teilnehmern wird
die Aufmerksamkeit für andere Arten der Präsentation
geschärft und die Schwellenangst reduziert. Es wird
auch geübt in möglichst kurzer Zeit die wesentlichen
Dinge zu erkennen und anzusprechen. up
7.
Was ist das Wichtigste dabei.
Die persönlichen Erfahrungen jedes Einzelnen in Gruppenarbeit
und in Einzelarbeit einander gegenüber zu stellen und
auch öffentlich zu diskutieren. up
8. Was sollen die Schüler
mit nach Hause nehmen
Keine Angst vor dem weißen Blatt.
Es ist möglich schnell Ergebnisse zu produzieren.
Das Überarbeiten der eigenen Produkte durch andere
tut weh.
Die Ergebnisse eines intensiven Austausches mit anderen
sind oft besser und sicher überraschender als meine
persönlichen Gedanken bzw. Ideen.
Der Zufall ist erwünscht. up
9.
Auf welchem Weg soll das erreicht werden
„Learning by doing!“
Durch Erfahrung am eigenen Leib wird die tägliche Welt
des Architekten nahegebracht. Das Umsetzen von Ideen oder
Gedanken in zwei- oder dreidimensionale Form, das Reagieren
auf Umgebung und Anforderungen und die Präsentation
des Erreichten vor Publikum. up
10.
Worauf wird besonderer Wert gelegt.
- Das Hauptaugenmerk bei diesem Projekt wird nicht auf das
Ergebnis gelegt sondern auf den Prozess, die Kommunikationsmethoden
und die intensiven gruppendynamischen Aspekte.
- Grundsätzlich wird mit der Sprache der Architekten
kommuniziert, also Grundriss, Schnitt, Modell und Collage,
das gesprochene Wort ist beim Prozess nicht wichtig.
- Durch persönliche Präsentation der eigenen Arbeit
nach jedem Zwischenschritt vor den anderen Teilnehmern und
am Schluss durch Präsentation des gesamten Projektes
vor den Teilnehmern und Jury. Dabei wird neben intuitivem
Handeln auch zielgerichtetes Denken und die Fähigkeit
Gedanken und Ideen zu formulieren gefördert. up
11.
Wie ist der Ablauf eines Kurzprojektes
Der Workshopleiter wählt eine Grundlage und ein Medium.
Die Anzahl der Grundlagen entspricht der Anzahl der Teilnehmer.
Wer welche Grundlage zuerst bearbeitet wird durch den Zufall
bestimmt. Die Zeiteinheit wird aus der für das Kurzprojekt
zu Verfügung stehenden Zeit ermittelt, meist ca. 5
bis 15 Minuten. Der Einfachheit halber wird nach einer verstrichenen
Zeiteinheit einfach einen Platz weitergerückt. Es besteht
die Möglichkeit die Teilnehmer in Untergruppen zusammenzufassen,
dabei wird nur innerhalb der Untergruppe weitergerückt.
Die minimale Bearbeitungslänge eines Kurzprojektes
ist ca. 1,5 bis 2,5 Stunden. Danach werden die entstandenen
Projekte von den Teilnehmern präsentiert und gemeinsam
besprochen. up
12.
Wie ist der Workshop aufgebaut.
Ein Workshop besteht aus mehreren Kurzprojekten mit Kleingruppen
(bis 3 Leuten), mindestens einem gemeinsamen Kurzprojekt
für alle Teilnehmer und einem Individualprojekt. Den
Endpunkt bildet eine Finalkritik, das ist eine Präsentation
des Individualprojektes, mit Querverweisen auf die Kurzprojekte
bei denen man teilgenommen hat. Dabei werden sowohl die
formalen und künstlerischen Aspekte der Arbeiten als
auch die gruppendynamischen Prozesse gemeinsam mit einer
Jury und den anderen Teilnehmern analysiert und besprochen.
up
Text: Ambros Spiluttini, Architekt |
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