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Anerkennungen _

4 AWWA
14 Experimentelle Architektur in der Schule
20 Sonic Tower


 

4 AWWA - Ein Projekt mit sechs Audiowalks zu ausgewählten Wien-Ambientes

Petra Maier, Wien; in Zusammenarbeit mit Kenn Mouritzen (Klang) und Johanne Loegstrup (Produktionsvorbereitung)
Ein Projekt mit sechs Audiowalks zu ausgewählten Wien-Ambientes

Let me show you the world in my eyes
Depeche Mode, World In My Eyes

Oft zeigt die Neue Welt sich in einem Umspringbild, wodurch ich nicht diesen Mast
als ein Ding erfasse, vielmehr den Zwischenraum, geformt von ihm und dem Nach-
barmast. Und es weht mich die neue Welt weniger aus der Natur an als von einem
Platz mit Menschenspuren. Niemandsland, ja ...“
Peter Handke, Mein Jahr in der Niemandsbucht

Sechs Künstlerinnen (aus den Bereichen Literatur, Architektur, Bildende Kunst, Design und Sound) erarbeiten zusammen mit einem Audio-künstler einen je 20 –30 minütigen Audiowalk durch einen von ihnen frei gewählten, öffentlich zugänglichen Bereich von Wien.



Die sechs Audiowalks von AWWA konstituieren relationale Räume indem sie Wahrnehmung, Beschreibung und Körperraum an Orten in ein Handeln in und mit Hilfe von räumlichen Strukturen verdichten. AWWA ist ein Projekt, das Räume als durch Handlung geschaffene – durch Objekte und Menschen synthetisierende, relational anordnende – Settings versteht.
AWWA macht die „Unsichtbarkeit der sozialen Räume“ durch die Technik der Collage – oder genauer: durch sinnliche Überlagerung – sichtbar: Durch die Verknüpfung der Wahrnehmungsräume von sechs Künstlerinnen, ihren Beschreibungen, Betonungen und „Handlungsvorschlägen“ mit der Möglichkeit diese Erzählungen in Form des Audio-Walks mit der eigenen Bewegung an jenen ausgewählten Orte zu überlagern oder sie auch – ohne eigener Bewegung – einfach nachzuverfolgen ensteht ein intimer Stadtführer zu Wien, der (eigentlich) der Literatur vorbehaltene Qualitäten des Atmosphärischen mit dem öffentlichen Raum der Stadt (i.e hier: Bewegungsraum) zu verknüpfen sucht.

Alltag – Sensibilisierung – Eindrücke – Bilder – Bewegungen – Geräusche – Gerüche – Erzählungen – sich treibend führen lassen (1)



Die stärkste Motivation in ein Stadt zu reisen, ist immer schon in den Mythen der Stadt verankert, in jener Literatur in der die Stadt als Bühne für ihre Helden, Leidenschaften und Abenteuer, ihrem Verlieren im Gewirr der Sprachen, Handlungen und Verwicklungen, Überschreitungen des Alltags,dem Exzess und der Transgression fungiert. In eine Stadt fährt man, um sich in ihr zu verlieren...Angst und Lust, das ist was der Tourismus zumeist vergeblich zu verkaufen sucht...
Aus der Sicht der Architektur geht es mir dabei um die Herausarbeitung jener Begriffe und Qualitäten, die im rezenten Architekturdiskurs unter dem Begriff der „Atmosphäre“ (etwa G. Böhme), in der Phänomenologie unter der „Gestimmtheit“ (etwa O. Bollnow) oder in der Kulturwissenschaft unter „Präsenz“ verhandelt werden. Wenn die vornehmliche Aufgabe der Architektur in der Gestaltung jener Objekte liegt, die Bewegung mit Aufenthalt, mit Wohnen, mit Arbeit, mit Entspannung oder auch mit institutionalisierten Handlungsschemata (Krankenhaus, Schule, Universität, Ämter, Behörden, Museen) in der Stadt verknüpft, so kann man das als „Gestaltung der Sichtbarkeit des sichtbaren Raumes“ verstehen. AWWA ist dazu keine „alternative Gestaltung“ sondern eine Überlagerung jenes sichtbaren Raumes (der Architekturen, der Stadt) mit dem oben beschriebenen „Sichtbarmachen der Unsichtbarkeit des (sozialen) Raumes“.

Für die Architektur verstehe ich AWWA als Versuch sie von „diskursivierten“ Anforderungen, denen sie „institutionell“ nicht nachzukommen vermag zu befreien. Architektur ist an der Schaffung von „sozialen Räumen“ beteiligt, sie kann diese aber nie „aus sich selbst heraus“ schaffen.

Wie: Für den Audiowalk benötigt man nur ein Set aus MP3-Player und Kopfhörer. Dieses Set kann zusammen mit einem gedruckten Stadtplan bei eventuellen Kooperationpartnern (etwa MQ) gegen Pfand entliehen oder, sollte man über einen eigenen MP3 Player verfügen, als Download in Form von MP3- und Pdf-File direkt von der Website www.awwa.at bezogen werden.

Wann: Die Produktion ist angelaufen, die öffentliche Präsentation erfolgt im März 2007



(1) Es lassen sich hier mannigfache Bezüge zu urbanistischen und künstlerischen Theorien und Praxen der Aneignung, der In-anspruchnahme oder auch Ausblendung von „Wirklichkeitsausschnitten“ des Städtischen finden – etwa im Situationismus, in den Überlegungen zur Veränderung der Wahrnehmung und Teilnahme am „öffentlichen Raum“ Sony’s Walkman in den Achtziger Jahren bis zur gegenwärtigen Mobiltelefon-ubiquität, aber auch aktuelle Überlegungen zu „Augmented Reality“ und „Computer Games“ – gemeinsam ist diesen Theorien das unhintergehbare Konglomerat aus Architektur, Stadt und Medien, das sich nur noch über Fragmente, Diskontinuitäten und Simultaneitäten einer Beschreibung öffnet. Poesie.

Text: Andreas Lechner

 

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